Bauform VES 4R und VES 2R - Das Hebelwerk

  Anmerkung: Die Bedienvorschrift von Mehrreihenstellwerken können Sie hier lesen.
Querschnitt eines  Hebelwerks VES 4RQuerschnitt eines Hebelwerks VES 4RDie oben aufgeführte Zeichnung zeigt den Querschnitt eines Vierreihenhebelwerks mit den Einrichtungen, den Abmessungen und dem Gesamtaufbau. An der vorderen Tisch- kante sind die Sicherungen untergebracht. Die Rückseite der Tischplatte ist verlängert, hier werden Tasten und Meldelampen eingebaut. Das Verschlußregister an der Rückseite des Tisches ist um 400 mm abgesenkt und soll eine einwandfreie Sicht über den Tisch gewährleisten. Im Gestellrahmen, der im Raum unter dem Stellwerksraum liegt, sind im vorderen Teil die Achsen mit ihren Sperreneinrichtungen und im hinteren Teil die Fahrstraßenachsen mit den Kontaktbügeln und Kontaktfedern gelagert. Hier werden auch die Relais untergebracht. Die Hebelanordnung ist auch hier in Felder eingeteilt und wird vom Standort des Wärters aus von links nach rechts gezählt. Der erste Hebel vorn in der ersten Reihe ist das Feld 01, der erste Hebel in der zweiten Reihe Feld 02, der dahinterliegende Hebel in der dritten Reihe Feld 03 und der letzte Feld 04. Der Seitenabstand der Hebel beträgt 88 mm.


1937 stellte die VES eine Weiterentwicklung vor: Das Zweireihenhebelwerk. Der Aufbau eines solchen Hebelwerks wurde unter gleichen Gesichtspunkten entwickelt wie der des Vierreihenhebelwerks. Der größte Teil der Bauelemente wurde auch vom Vierreihenhebelwerk übernommen oder der neuen Konstruktion angepaßt.
Querschnittzeichnung VES2R

 Um die Länge des Stelltisches möglichst kurz zu halten, baute man die Hebel mit 66 mm Seitenabstand ein. Ein Vorteil gegenüber dem Vierreihenhebelwerk besteht in der übersichtlichen Anordnung der Bauelemente, die eine leichtere Unterhaltung und Störungsbeseitigung ermöglicht. Hierzu schrieb die Zeitschrift für das gesamte Eisenbahnsicherungs- und Fernmeldewesen 1940:

„Vor einigen Monaten ist im Verschiebebahnhof Seddin bei Berlin ein neues Kraftstellwerk der Vereinigten Eisenbahn-Signalwerke nach der Zweireihen-Bauart in Betrieb genommen worden. Das Schalterwerk ähnelt sehr der Vierreihen-Ausführung, hat aber nur zwei Reihen Hebel mit einer 66 mm Teilung. Das Verschlußregister ist unverändert übernommen, liegt aber nur etwa 10 cm über dem Fußboden. Die Stellachsen gehen gradlinig bis unten durch. Der Unterbau im Untergeschoß besteht nur noch aus einem Schalterbock, der zweite konnte entfallen. Damit ergab sich die Möglichkeit, das Schalterwerk dichter an das Fenster heranzurücken und die Zugänglichkeit zu den sämtlichen Schaltern im Unterbau zu erleichtern. Die Schaltelemente haben eine verbesserte konstruktive Durchbildung erhalten. Wegen der besonders engen Hebelteilung wird die Gesamtlänge des neuen Hebelwerkes nur etwa 50% länger als in Vierreihen-Bauart. Bisher sind zwei Ausführungen mit 24 und 36 Schubstangen vorgesehen. Die neue Bauart hat sich bis jetzt gut bewährt."[1]

 

    Beispiel für ein 2 Reihen- und 4 Reihenhebelwerk VESBeispiel für ein 2 Reihen- und 4 Reihenhebelwerk VES

__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Das Verschlussregister

Verschlussregister VES4RFunktion des Verschlussregisters des Mehrreihenstellwerks VESDas mechanische Verschlussregister erfüllt die gleichen Aufgaben wie bei anderen elektromechanischen Stellwerksbauformen. Beim Mehrreihenstellwerk ist das Verschlussregister ein feinmechanisches Meisterwerk. Beim Umlegen des Fahrstraßensignalhebels, des Befehls- oder Zustimmungshebels wird ein Schieber e über Zahnrad a und Zahnstange b in der Längsrichtung bewegt (Buchstabenanordnung siehe linke Zeichnung). Da die Hebel nach beiden Seiten stellbar sind, ist die Bewegungsrichtung nach vor- und rückwärts möglich. Durch das Zahnrad c und Zahnstange d wird diese Bewegung auf die Schubstange f übertragen. Die Schubstange f ist unter den Schieberstangen gelagert und kann je nach der Umstellrichtung des Hebels nach links oder rechts bewegt werden. Auf der Schubstange werden nun die Verschlußelemente zwischen den Fahrstraßen- und Weichenschiebern befestigt. Sind mehrere Hebelwerksstöße zusammengesetzt, so verbindet man die Schubstangen miteinander durch Kuppelstücke. Die Weichenhebel (darunter sind auch die Hebel für Gleissperren, Gleissperrsignale u. ä. zu verstehen) treiben ebenfalls über eine Zahnradanordnung einen Schieber i an. Da der Weichenhebel nur eine Umstellrichtung hat, ist die Bewegung dieses Schiebers nur einseitig. Die Schieber legen einen Weg von 10 mm zurück. In der unteren Fläche der Schieber sind Einschnitte m eingefräst. Wird nun eine Schubstange bewegt, so schiebt sich die Kante des Verschlußelementes in die Ausfräsung des Schiebers und verschließt den Weichenhebel in der Plus- oder Minuslage mechanisch. Laut der Zeichnung soll z. B. die Fahrt a2 eingestellt werden, die Schubstange gleitet nach rechts. Die Weiche 9 muß sich in der Minuslage befinden, damit das Verschlußelement 331 in die Ausfräsung m gleiten kann. Die Verschlusselemente VES2R 4RFahrt a1 kann nicht eingestellt werden, da die Weiche 8 noch in Plusstellung liegt. Die Fahrt d verlangt die Weiche 9 in der Plusstellung, beim Zurücklegen gleitet der Schieber zurück, und die Ausfräsung m kommt vor das Verschlußelement 336. Die Schubstange der Fahrt d gleitet nach rechts, das Verschlußelement 333 verschließt den Fahrstraßenschieber für die Fahrt al, die Fahrt a2 ist frei. Der linke Schieber ist in beiden Stellrichtungen durch das Verschlußelement 334 verschlossen. Die Ausfräsungen k sind für die Schieber der Fahrstraßen-, Befehls- und Zustimmungshebel größer gehalten als bei den Weichenschiebern, da die erstgenannten ja zwei Richtungsbewegungen haben. Die Verschlusselemente können als Weichenverschlüsse sowie als gegenseitige Fahrstraßenausschlüsse verwendet werden.

Links die Übertragungsvorrichtung von der Zahn- auf die Schubstange mittels Zahnrad. Rechts Details des Verschlussregisters mit Verschlussstück 333Links die Übertragungsvorrichtung von der Zahn- auf die Schubstange mittels Zahnrad. Rechts Details des Verschlussregisters mit Verschlussstück 333

__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________ 

Die Weichenhebel

Die Achse des Weichenhebels besteht beim Vierreihenhebelwerk aus mehreren Teilen. Der erste Teil ist im Tisch gelagert und trägt die Einrichtung zum Anbringen für den Hebelgriff. Am unteren Ende dieser Achse befindet sich eine Zahnradanordnung, die auf den nächsten Teil der Achse wirkt und gleichzeitig zum Antrieb für die Weichenschieber dient. Da die Teilung für die Hebelachsen im Tisch größer ist als im Gestellrahmen, macht sich die Übertragung für den zweiten Teil der Achse notwendig. Bei der Ausführung 1937 ist die Zwischenachse über Kardangelenke mit dem nächsten Teil der Achse verbunden. Unter dem zweiten Gelenk befindet sich dann die Zahnradanordnung für den Schieber. Der nächste Teil der Achse reicht nun bis zu dem Gestellrahmen und wird hier in Lagereisen geführt Die Achsen sind stufenweise angeordnet (siehe erste Zeichnung oben) sodass die vordere die kürzeste, die hintere die längste ist. Der dritte und letzte Teil der Achse trägt die Kontaktbügel und Sperreinrichtung für den Batteriewechsler. Zur besseren Unterhaltung und Störungsbeseitigung kann dieses Teilstück mit wenigen Handgriffen herausgenommen werden. 

Ab der Bauform 1937 des Vierreihenhebelwerks sind die Achsen über Kardangelenke verbunden. Oben links die ursprüngliche Ausführung.Ab der Bauform 1937 des Vierreihenhebelwerks sind die Achsen über Kardangelenke verbunden. Oben links die ursprüngliche Ausführung.

 

Der Hebelgriff, der auch hier nicht fest mit dem ersten Teil der Achse verbunden ist, besteht aus zwei zylinderförmigenTeilen, die durch zwei Druckfedern miteinander gekuppelt sind. Auf dem oberen Teil ist ein flacher Handgriff angegossen, der senkrecht mit seiner Schmalseite zur vorderen Tischkante steht. Das ist die Grundstellung des Hebels. Der Hebelgriff lagert in einer Grundplatte, die auf der unteren Tischplatte aufgeschraubt ist. Durch eine Feder wird er nach oben gegen diese gedrückt und durch einen Raststift festgehalten (Handfalle). Beim Umstellen muß also der Hebelgriff nach unten gedrückt werden. Der Weichenhebel wird dadurch entsperrt und kann durch eine Linksdrehung aus der Grundstellung heraus um 90° gedreht werden. Zweck der gekuppelten Teile des Hebelgriffs ist, keinen zu großen Druck auf die verhältnismäßig kleinen Verschlusselemente und ihre Befestigungsschrauben sowie Zahnräder und Zahnstangen auftreten zu lassen. Bei einem Versuch, eine festgelegte Weiche umzustellen, schert der Hebelgriff bei einer Druckkraft von 6 kp oder 58,84 N aus, die obengenannten Teile können nicht beschädigt werden. Der Hebelgriff kann durch eine Drehung von 360° wieder eingeschert werden.

 Weichenhebel der Bauform 1932 (links) und 1937. Zeichnung Slg Lars MolzbergerWeichenhebel der Bauform 1932 (links) und 1937. Zeichnung Slg Lars Molzberger

Der aufscherbare Knebel der Bauform 1937 unterscheidet sich von der Bauform 1932 dadurch, dass der aufgescherte Zustand durch die rote Fläche 16 angezeigt und die Schalterachse bei der Aufscherung festgelegt wird.

 Die Weichenhebel der Ausführungsform 1932 und 1937 examplarisch zur Verdeutlichung. Sehr gut erkennbar ist hier die um 22 mm reduzierte Hebelteilung beim VES 2R-Hebelwerk (W68) Foto Lars MolzbergerDie Weichenhebel der Ausführungsform 1932 und 1937 examplarisch zur Verdeutlichung. Sehr gut erkennbar ist hier die um 22 mm reduzierte Hebelteilung beim VES 2R-Hebelwerk (Weiche 68) Foto Lars Molzberger


Das Video links zeigt den Ausschervorgang eines Weichenhebels der Bauform 1937. Die rote Fläche, die den Zustand der Ausscherung zeigt, ist zwar schon start abgenutzt. Trotzdem ist die Fläche und der daraus resultierende Zweck erkennbar. Diese Funktion ist wie schon erwähnt einzig und allein dem filigranen Verschlussregister geschuldet, das durch zu starker Krafteinwirkung beschädigt werden kann.

Die Weichen- und Gleissperrenhebel tragen einen blauen Erkennungskreis. Die Hebel der Gleissperrsignale, Deckungscheiben, Deckungsvorscheiben und Teilfahrtensignale  sind neben dem blauen Erkennungskreis noch mit einen roten Erkennungskreis ausgestattet.

 Funktion der Weichen- und Gleissperrenhebel.

Eine Überwachungseinrichtung (Weichenüberwachung) zeigt an, ob Hebel und Weichenstellung übereinstimmen. Leuchtet
eine Überwachungslampe auf der Grundplatte links hinter dem Hebel, so besteht Übereinstimmung zwischen Hebel und Weichenstellung (Ordnungsstellung), leuchtet die Lampe nicht und  ertönt ein Wecker (Weichenwecker), so besteht keine Überein­stimmung zwischen Hebel und Weichenstellung (Störungsstel­lung). Bei jeder Umstellung und bei jeder Unregelmäßigkeit (Störung) erlischt daher die Lampe und ertönt der Wecker, besonders auch, wenn die Weiche beim Umstellen die Endstel­lung nicht erreichen kann,oder wenn sie aufgefahren wird.Weichenhebel Überwachung

Die Riegelhebel haben einen weißen Erkennungskreis. Aus ihrer Grundstellung (entriegelten Stellung) sind sie nach beiden Seiten oder nur nach einer Seite bis in die  45°-Stellung umlegbar. In umgelegter Stellung verriegeln sie eine Weiche oder mehrere Weichen, entsprechend dem Verschlussplan.

Funktion der Riegelhebel beim VES 2R / 4R

 __________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Folgeabhängigkeit

Die Folgeabhängigkeit zwischen zwei Hebeln (z.B. einer Gleissperre und einer Weiche) wird bei den Mehrreihenstellwerken sehr einfach realisiert. An der inneren Wand des Verschlusskastens wird ein Lagerbock befestigt. In diesem ist eine Welle drehbar gelagert. Das eine Ende der Welle ist mit einer Gabel verbunden, die ihrerseits mit der Schubstange der Weiche fest verbunden ist. Die Welle treibt mittels Nocken einen Bolzen an, der in Grundstellung an die Schubstange der Gleissperre anstößt. Damit ist das Stellen der Weiche verhindert. Erst wenn der Hebel der Gleissperre in die Minusstellung umgestellt wird, gibt die Schubstange der Gleissperre den Bolzen frei. Beim Umstellen der Weiche verschiebt die Welle den Bolzen vertikal aufwärts und blockiert damit die Schubstange der Gleissperre, die dadurch nicht in die Grundstellung zurückstellbar ist. Für die Grundstellung der Weiche und Gleissperre ist die umgekehrte Handlungsfolge erforderlich. Vom Vorteil ist auch, dass die beiden Hebel nicht zangsläufig nebeneinander liegen müssen. Die Funktion der Folgeabhängigkeit zeigt sehr anschaulich das untenstehende Video.


Die Technik der Folgeabhängigkeit zur Verdeutlichung.Die Technik der Folgeabhängigkeit zur Verdeutlichung.__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Fahrstraßensignal-, Befehls- und Zustimmungshebel

 Fahrstraßensignal-  u. Zustimmungshebel im Stellwerk Gaw Grünau

 

Fahrstraßensignalhebel

Der Fahrstraßensignalhebel hat einen roten Erkennungskreis; er kann bis 90° nach links und rechts umgelegt werden.
Die weiße Festlegelampe befindet sich unmittelbar hinter dem Hebel in der Mitte der Grundplatte. Die Befehls- oder Zustimmungslampen befinden sich auf der Grundplatte links (rechts) von der Festlegelampe. Die Lampen leuchten mit ruhendem Licht.

Befehls- und Zustimmungshebel

Die Befehls- und Zustimmungshebel haben einen grünen Erkennungskreis; sie sind um 45° (30°) nach links und rechts umlegbar.  Die weiße Festlegelampe befindet sich unmittelbar hinter dem Hebel in der Mitte der Grundplatte.

Die gelbe (orange) Zustimmungsempfangslampe (beim Befehlshebel) befindet sich auf der Grundplatte links (rechts) neben der Festlegelampe. Ist der Befehlshebel von einer weiteren Zustimmung abhängig, so wird links (rechts) daneben eine zweite Zustimmungsempfangslampe angeordnet. Die Lampe leuchtet bei Eingang der Zustimmung mit ruhendem Licht.

Darstellung einer Ausfahrt im MehrreihenstellwerkDarstellung der Lampenwechsel bei einer Einfahrt im Mehrreihenstellwerk zwischen Wärter- und BefehlsstellwerkDarstellung der Lampenwechsel bei einer Ein- oder Ausfahrt im Mehrreihenstellwerk zwischen Wärter- und BefehlsstellwerkWärter- und BefehlsstellwerkDarstellung der Lampenwechsel bei einer Ein- oder Ausfahrt im Mehrreihenstellwerk zwischen Wärter- und Befehlsstellwerk

 

Darstellung der Lampenwechsel bei einer Einfahrt im Mehrreihenstellwerk. Befehlsstellwerk ist vor Befehlsabgabe von einer Zustimmung abhängigDarstellung der Lampenwechsel bei einer Einfahrt im Mehrreihenstellwerk. Befehlsstellwerk ist vor Befehlsabgabe von einer Zustimmung abhängig

__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Hilfssperren

Die Hilfssperren A, B und C werden ebenso angewendet wie bei den Bauformen VES 1912; sie haben jedoch eine abweichende Bauform.

Die Hilfssperre A mit Weckerstromunterbrecher ist anzubringen, wenn der Wecker (bei einer Weichenstörung) länger als eine Minute ertönt. Hierzu sind - nach Eintrag im Störungsbuch - Siegel und Bolzen am Druckstift zu entfernen. Beim Anbringen der Hilfssperre wird der Druckstift hinuntergedrückt und der Weckerstromkreis unterbrochen.

 Darstellung der Hilfssperren A-CDarstellung der Hilfssperren A-C

Zweimal die Hilfssperre A. Die rechte Version der Hilfssperre weist die "Nase" auf, mit der der Weckerstrom unterbrochen wird.Zweimal die Hilfssperre A. Die rechte Version der Hilfssperre weist die "Nase" auf, mit der der Weckerstrom unterbrochen wird.

 __________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Streckenblock

Beim Streckenblock blieb es auch bei den Mehrreihenstellwerken erst einmal wie gehabt. Da bei elektrischen Stellwerken das Blockwerk nicht zwingend unmittelbar am Hebelwerk platziert werden muss, kann es frei im Raum augestellt werden. Bei den ersten ausgeführten Stellwerken störte das Blockwerk wegen ausreichender Wandfläche noch nicht. Bei nachfolgenden Stellwerken nutzen die Fachleute die Möglichkeiten der Rundumsicht aus. Diese Stellwerke hatten rundum Fenster. Dadurch störte das klassisch aufgestellte Blockwerk die Sicht. Folglich wurden die Blockwerke auf dem Fußboden angeordnet. Die unruhig wirkenden Tastensperren wurden unter die Blockfelder im Blockkasten eingebaut. Der Status der Blockfelder wurde per Lichtnachahmer oberhalb des Fensters angezeigt.

Links das klassisch aufgestellte Blockwerk in Diusburg-Hochfeld Süd, rechts das auf dem Boden angeordnete Blockwerk mit eingebauten Tastensperren in Duisburg Stellwerk 5Links das klassisch aufgestellte Blockwerk in Diusburg-Hochfeld Süd, rechts das auf dem Boden angeordnete Blockwerk mit eingebauten Tastensperren in Duisburg Stellwerk 5

Es ging sogar so weit, den Block in den Relaisraum zu integrieren und mittels mechanischer Fernbedienung den Block zu bedienen. Eine elektrische Fernbedienung wurde 1936 in Mainz in Betrieb genommen.

Die beste Lösung bot aber der Relaisblock, zeitgenössisch auch Magnetschalterblock genannt. Der Relaisblock wurde schon 1925 durch die AEG bei den Norwegischen Staatsbahnen realisiert. Ende der 1930er Jahre setzte sich die Relaisblock bei Neuanlagen elektrischer Stellwerke durch. Anfangs erfolgte die Bedienung des Relaisblocks über einen weißen Blockhebel, später durch Tastenbedienung. Der Relaisblock bot die Möglichkeit, seine Bedienelemente in den Hebelwerksstisch zu integrieren und damit entfliel ein Sicherungselement, das Platz beanspruchte. Unten ist ein Beispiel der Relaisblockbedienung anhand eines VES E43-Blockhebel aufgeführt. Bei den Mehrreihenstellwerken dürfte die Bedienung analog erfolgt sein.

 Blockhebel.jpeg

„Der beim Relaisblock mit Blockhebelbedienung verwendete Blockhebel hat einen Weißen Griff mit Nase und vorn einen roten Pfeil auf weißem Grund. Nach Erfüllung der Vorbedingungen ist der Hebel nach beiden Seiten um 45° umlegbar und kehrt nach dem Loslassen selbsttätig in die Grundstellung zurück. Der Hebel bewirkt beim Umlegen nach links die Rückblockung (Endfeld) und nach rechts die Vorblockung (Anfangsfeld). Über dem Hebel zeigen 6 Meldelampen den Zustand des Streckenblocks (Blockmelder) und die Stellung der elektrischen Streckentastensperre und der Wiederholungssperre an (Bild 11). In Grundstellung leuchtet über dem Blockhebel für das Endfeld und das Anfangsfeld je eine weiße Meldelampe, während die übrigen Meldelampen dunkel sind." (Auszug aus der DV 482 III. Vorschriften für das Bedienen von Signalanlagen, Teil 3. Stellwerke Bauform E43 und VES 1912. Seite 22

 

 

 

 

 

 

 

Links

Die Historie der VES Mehrreihenstellwerke

Vorläufige Sondervorschrift für den Kraftstellwerksdienst (Kr VM) - Mehrreihenstellwerk VES

Veröffentlicht 11. Juni 2024