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In Betrieb vom 1. Oktober 1905 bis zum 22. August 1987.

Tsb ist die telegraphische Abkürzung von Tegel Südbude.

Die Nachbarstellwerke von Tsb waren der Fahrdienstleiter Tgl Tegel und die Blockstelle Eichbornstraße Ebs bis 1984, danach das Stellwerk Rwb des Bahnhofs Reinickendorf Gbf.

Der Architekt des Stellwerks Tnb war vermutlich ein Herr Meyer. Der Rückbau des Hochbaus erfolgte im Februar 1988.

 

Bauform des Stellwerks Tgl:

Mechanisch der Bauform Hein, Lehmann & Co.

1936 3 Formhauptsignale A,B und C, 8 Weichen 1 a/b, 2, 3 a/b und c/d, 4 a/b und 5.

1 Gleissperrsignal Hs 24

Bahnhofs- und Streckenblock

Felderblock für Streckenblock  zweigleisige Strecke bis 1946. Ab 1947 Felderblock eingleisige Strecke Bauform C.

Felderblock als Bahnhofsblock nach Tgl.

 

km 9,9 der VzG Strecke 6083 Schönholz—Velten. Standort des Stellwerks Tsb bei Openstreetmap

Hinweis: Bitte mit dem Mauszeiger auf die Koordinaten unter Internal zeigen, damit der Positionsmarker angezeigt wird.

Unteres Foto: Tsb versteckt sich im üppigen grün der Vegetation 1969. Geoportal Berlin, Lizenz dl-de/by-2-0  https://www.govdata.de/dl-de/by-2-0

Tsb 1969 Luft

Im Schatten der Gasometer - Tsb

Das Stellwerk Tsb des Bahnhof Tegel ist eins von den drei Stellwerken, die beim Umbau des Bahnhof 1905 entstanden sind. Es stand an der Wittestraße in Höhe des Km 9,9 der Strecke Schönholz—Velten im Schatten der Gasometer des Gaswerks Tegel der Stadt Berlin. Die Sicherungstechnik stammt wie beim Befehlsstellwerk Tgl von der Reinickendorfer Eisenbahnsignal-Bauanstalt Hein, Lehmann & Co. Die Strecke Schönholz—Velten war bei der Inbetriebnahme des Stellwerks Tsb noch als Nebenbahn mit vereinfachter Betriebsdurchführung eingestuft. Das sollte sich schon fünf Jahre später ändern: Ab dem 1. Oktober 1910 erhielt die Strecke von Schönholz bis Velten den Status einer Hauptbahn. Der Betrieb einer Hauptbahn setzt zur Sicherung der Zugfahrten auf der freien Strecke Streckenblock voraus. Der Wärter Tsb war für die Einfahrten zum Bahnsteig Tegel in der Funktion eines Fahrdienstleiter tätig, weil zwischen Tsb und Tgl auf den durchgehenden Hauptgleisen Streckenblock vorhanden war. Das Weiterführen des Streckenblocks durch die Bahnhöfe war bei den Preußisch-Hessischen Staatsbahnen Anfangs des 20. Jahrunderts üblich.  Auch bei der Sicherung der Fahrten in den Bahnöfen gab es bis in die 1930er Jahre Abweichungen von anderen deutschen Staatsbahnen: Nur die Einfahrt in den Güterbahnhof war von der Freigabe des Fahrdienstleiters Tgl abhängig. Die Ausfahrten konnte der Wärter selbstständig nach mündlichen Auftrag auf Fahrt stellen. Erst 1929 wurden die Blockabhängigkeiten im Bahnhof Tegel entsprechend angepasst.

Beim Entwurf hieß Tsb noch Südbude. Auch fehlte 1904 noch der Anschluss der BBG. Archiv Lars MolzbergerBeim Entwurf hieß Tsb noch Südbude. Auch fehlte 1904 noch der Anschluss der BBG. Archiv Lars Molzberger

 

Zeichung des Hochbaus 1905. Sammlung Berliner StellwerkeZeichung des Hochbaus 1905. Sammlung Berliner Stellwerke

 Der Stellwerksbezirk Tsb 1910. Archiv Lars MolzbergerDer Stellwerksbezirk Tsb 1910. Archiv Lars Molzberger

 Der Wärter Tsb bediente 1910 folgende Sicherungsanlagen:

  • Das Einfahrsignal A von Reinickendorf nach Gleis 1 Richtung Bahnsteig Tegel und nach Gleis 24 des Güterbahnhofs;
  • das Ausfahrsignal B vom Bahnsteig Tegel Gleis 23 nach Reinickendorf;
  • das Ausfahrsingal C von Gleis 25 des Güterbahnhofs nach Reinickendorf,
  • sowie 6 Weichen und eine Gleissperre.

 Durch diese Infrastruktur war es möglich, gleichzeitig nach Gleis 1 oder 24 ein- und aus Gleis 25 auszufahren.

Die Verschlusstafel des Stellwerks Tsb von 1910. Der Streckenblock wird zum Stellwerk Tgl durchgeführt. Bahnhofsblock existiert nur für die Einfahrt A2. Sammlung Berliner Stellwerke.deDie Verschlusstafel des Stellwerks Tsb von 1910. Der Streckenblock wird zum Stellwerk Tgl durchgeführt. Sammlung Berliner Stellwerke.de

Anhand der Verschlusstafel sind einige Besonderheiten erkennbar:

  • Bei den Einfahrten A1 und A2 wurde auf eine blockelektrische Fahrstraßenfestlegung verzichtet. Bei den beiden Einfahrstraßen sicherte eine Sperrschiene die Zugfahrt vor dem unzeitigen Umstellen der spitzbefahrenen Weiche 1.
  • Das Ausfahrsignal C befand sich unter den Blockverschluss vom Befehlsstellwerk Tgl. Bei den Preußisch-Hessischen Staatsbahnen wurden zu dieser Zeit in der Regel nur die Einfahrten unter Blockverschluss gelegt.
  • Unter dem Endfeld des Ausfahrsignals B ist die „halbe Hebelsperre" angeordnet. Diese Hebelsperre erlaubte in diesem Fall das beliebige Bedienen der Ausfahrsignalhebel B oder C. Nur wenn tatsächlich eine Ausfahrt z.B. auf Signal B durchführt, wurde der Signalhebel C gesperrt und umgekehrt. Damit wollte man flexibler sein, wenn eine Zugfahrt sich z.B. verzögerte. Sonst verhinderte die Wiederholungsperre nach erfolgter Signalfahrt- und Haltstellung das erneute Bedienen der Ausfahrsignalhebel.

1913 plante die Königliche Eisenbahndirektion (KED) einen Aufenthaltsraum für Bahnunterhaltungsarbeiter unmittelbar direkt links vom Stellwerk Tsb gelegen. Unschwer ist zu erkennen, dass dieses Gebäude davor ein Personenwagen war. Warum die KED kein massives Gebäude errichtete, lässt sich aus den Bauakten nicht entnehmen. Mutmaßlich waren es Einsparungsgründe, denn ein alter Wagenkasten ist preiswerter als ein Massivgebäude. Wie so viele Provisorien existierte das Gebäude bis zum Abriss 1988.

Der aus einen Wagenkasten errichtete Aufenthaltsraum wurde 1913 geplant und existierte bis zum Rückbau 1988. Sammlung Lars MolzbergerDer aus einen Wagenkasten errichtete Aufenthaltsraum wurde 1913 geplant und existierte bis zum Rückbau 1988. Sammlung Lars Molzberger

Am Grenzzeichen der Einfachen Kreuzungsweiche 1 begann die 1924 gegründete Anschlußbahn Bahn-Betriebsgesellschaft Borsigwalde (BBG). Durch die vom Stellwerk Tsb fernbediente Weiche 3 konnte innerhalb der Anschlußbahn rangiert werden, ohne die Fahrten auf den Hauptgleisen zu beeinträchtigen. Die BBG mußte für die Inanspruchnahme der Infrastruktur (Weichen 1 und 3) und des Personals des Stellwerks Tsb eine Pauschvergütung an die Deutsche Reichsbahn zahlen, die in Januar 1925 bei 2.671.,31 RM lag. Ferner hatte die BBG mit der DR vertraglich die Unterhaltung aller Weichen des Stellwerks Tsb vereinbart, die u.a. das Schmieren und Beleuchten der acht Weichen beinhaltete.[1]

 Der Stellwerksbezirk Tsb ist  1936 um die doppelte Kreuzungsweiche 3 erweitert. Archiv Lars MolzbergerDer Stellwerksbezirk Tsb ist 1936 um die doppelte Kreuzungsweiche 3 erweitert. Archiv Lars Molzberger

Der Wärter Tsb bediente folgende Sicherungsanlagen (Stand 1936):

  • Das Einfahrsignal A von Reinickendorf nach Gleis 1 Richtung Bahnsteig Tegel und nach Gleis 24 des Güterbahnhofs;
  • das Ausfahrsignal B vom Bahnsteig Tegel Gleis 23 nach Reinickendorf;
  • das Ausfahrsingal C von Gleis 25 des Güterbahnhofs nach Reinickendorf,
  • gegenüber 1910 bereits 8 Weichen und ein Gleissperrsignal Hs 24.

 

Blick auf den Stellwerksbezirk Tsb vom Gasometer des Gaswerks Tegel.  1939. Ausfahrsignal C mit Negativflügel.  Die drei Gasometer gehören zur Fa. Linde Technische Gase. Sammlung Postmaxe PolzinBlick auf den Stellwerksbezirk Tsb vom Gasometer des Gaswerks Tegel. 1939. Ausfahrsignal C ist  mit einen  Negativflügel ausgerüstet. Die drei Sauerstoffbehälter gehören zur Fa. Linde Technische Gase. Sammlung Postmaxe Polzin

Die Zeit von 1945 bis zum Abriß 1988

 

Das Stellwerk Tsb überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. Bislang wurde von den Historikern immer angenommen, dass das Gleis Velten—Schönholz von den Sowjets 1945 demontiert wurde. Eine neue Quelle nennt die zweigleisige Aufnahme des S-Bahn Betriebs vom Stettiner Bahnhof nach Tegel am 22. November 1945.[2] Das Gleis Tegel—Schönholz wurde bis 1947 von der Französischen Besatzungsmacht demontiert. Die Streckenblockanlagen mußten an die neue eingleisige Betriebsführung angepasst werden.

 Am 28. November 1981 wartet die Übergabe nach Grunewald am Ausfahrsignal C auf Gleis 25 auf Ausfahrt. Weiter hinten das Stellwerk Tsb. Foto Frank MüllerAm 28. November 1981 wartet die Übergabe nach Grunewald am Ausfahrsignal C auf Gleis 25 auf Ausfahrt. Weiter hinten das Stellwerk Tsb. Foto Frank MüllerBlock- und Hebelwerk Tsb. Beim Interieur des Stellwerks scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. 3. Juli 1984 Foto Arno WinkelBlock- und Hebelwerk Tsb. Beim Interieur des Stellwerks scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. 3. Juli 1984 Foto Arno Winkel

Bis in die 1980er Jahre änderte sich im Stellwerksbezirk Tsb nicht Gravierendes. Der Wärter hatte neben dem Güterverkehr alle zwanzig Minuten die S-Bahn zu fahren und gelegentlich die Firma Waggon Union zu bedienen. Das betriebliche Ende des Stellwerks Tsb wurde durch die Autobahnplanung eingeleitet. Als Kompensation für den Eingriff in die Bahnanlagen erhielt die Deutsche Reichsbahn vom West-Berliner Senat ein Spurplanstellwerk für den Bahnhof Tegel. Mit der Inbetriebnahme des Spurplanstellwerks am 22. August 1987 erfolgte die Außerbetriebnahme des Stellwerks Tsb. Die Deutsche Reichsbahn hatte mit dem Senat den Abriss des Stellwerks Tsb zulasten des Senats vereinbart.

Beim Abriss des Stellwerks ereignete sich ein tragischer Unfall: Am 27. Januar 1988 starb der 30. jährige Bauarbeiter Rolf K. aus Schöneberg. Laut Zeitung stürzte plötzlich die ganze Wand ein und verschüttete Rolf K. vollständig. Interessant ist die Berichterstattung der Berliner Morgenpost: Es wird von einem „alten Geräteschuppen auf Reichsbahngelände" gesprochen.[3] Eine andere Überraschung erlebten die Bauarbeiter beim Abriss des Wagenkastens linker Hand von Tsb: Im Dachgebälk lag eine scharfe Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Einige Stellwerksmeister von Tsb wurde bei dem Fund noch nachträglich ganz mulmig zumute: Sie haben sich auf dem Dach des Wagenkastens gesonnt...

Abschließend möchte ich noch etwas persönliches anmerken: Das vorletzte Bild in der Galerie zu Tsb war mein erstes Foto mit Bahnbezug überhaupt. Ich habe als Jugendlicher mit der Spiegelreflexfotografie angefangen und hatte (aus heutiger Sicht zum Bedauern) kein großes Interesse, Bahnanlagen zu fotografieren. Mein Vater, der seit 1983 Fahrdienstleiter auf dem Bahnhof Tegel war, wusste von dem bevorstehenden Rückbau des Stellwerks Tsb. Da ich damals vor allem Veränderungen im Stadtbild fotografierte, konnte mich mein Vater genau mit dem Argument der Veränderung überzeugen. Das Hebelwerk war sogar noch im Stellwerk vorhanden. Aber leider konnte ich mir als Schüler nur die Filme leisten und nicht das dazu nötige Blitzgerät oder Stativ. Mit 100 ISO kommt man in dunklen Innenräumen nicht weit. Das ist heute mit den Möglichkeiten der modernen Digitalkameras, die quasi „Nachtsichtgeräte" sind, etwas ganz anderes.

 

Zum Schluss die Bildergalerie Tsb

 

 

Quellen und Links

[1] Diese Informationen erhielt ich mit freundlicher Genehmigung aus dem Archiv von Herrn Michael Bayer, dem Webmaster von www.gleistod.de

[2] Bericht der Deutschen Reichsbahn an die sowjetische Militäradministration  vom 28.11.1945, Bundesarchiv Berlin DM 1 Nr. 28

[3] Berliner Morgenpost vom 28. Januar 1988, Seite 5: Aus dem Polizeibericht: Einstürzender Altbau erschlug Arbeiter

Mehr zu Anschlußbahnen in Reinickendorf: www.gleistod.de

Der Bahnhof Tegel auf www.kremmener-bahn.net

Veröffentlicht am 1. April 2024