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Das Stellwerk Wot in Kürze

 

Die telegraphische Abkürzung Wot steht für Wannsee Osturm.

  

Felderblock Bauform zweigleisige Strecke nach Grunewald. Felderblock Bauform B nach Schlachtensee, nach 1945 in Bauform C umgebaut.

 

   

Das elektromechanische Stellwerk Wot war vom 1. Oktober 1891 bis zum 13. Juni 1993 in Betrieb.

 

Das elektromechanische Hebelwerk von Wot der Bauform Siemens & Halske 1907 stammt von Siemens & Halske. Bis 1909 war das Stellwerk mechanisch vermutlich Bauform Jüdel.

 

Der Architekt des Stellwerks Wot ist unbekannt.

Der Standort des Stellwerks Wot bei Google Maps.

Der Weichenwärter Wot war dem Fahrdienstleiter Ws technisch unterstellt. Die benachbarten Stellwerke waren auf der Wetzlarer Bahn die Blockstelle Havelchaussee bis 1977, danach das Stellwerk Gds. Auf der Wannseebahn blockte der Weichenwärter Wot bis 1970 zum Stellwerk Sts des Bahnhofs Schlachtensee, danach waren die Stellwerke Zwt des Bahnhofs Zehlendorfs und Lwt des Bahnhofs Lichterfelde West die benachbarten Blockendstellen.

Zum Titelfoto: Demoliert und besprüht. Das Stellwerk Wot machte am 25. September 2011 einen schlechten Eindruck.

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Das Wärterstellwerk des Bahnhof Wannsee - Wot

Mit dem Bau der Wannseebahn 1891 wurde der Bahnhof Wannsee grundlegend umgebaut. Am östlichen Ende zur Stadtbahn hin gelegen entstand das später so genannte Stellwerk Wot. Die Wannseebahn-Stellwerke erhielten einen einheitlichen Baustil, den man noch heute erkennen kann. Die Stellwerke Liw und Sts der Bahnhöfe Lichterfelde West und Schlachtensee können ihren gemeinsamen Baustil mit Wot nicht verbergen.

Das Stellwerk Wot erhielt bei seiner Inbetriebnahme 1891 ein mechanisches Hebelwerk, das höchstwahrscheinlich von Jüdel stammte. Ab 1909 stand wieder ein Umbau des Bahnhof Wannsee bevor: die Strecke Wannsee-Stahnsdorf - besser bekannt als Friedhofsbahn - wurde gebaut. Dafür waren wieder umfangreiche Umbauten vonnöten. Bis 1909 waren vier Stellwerke für die Betriebsdurchführung auf dem Bahnhof Wannsee zuständig. Die königlich Preußische Eisenbahn entschloß sich, bestimmt auch aus Gründen der Rationalisierung, elektromechanische Hebelwerke von Siemens & Halske zu beschaffen. 1909 war die Bauart 1907 aktuell, die erstmals einen Fahrstraßensignalhebel als Neuerung aufwies. Als am 02. Juni 1913 die Friedhofsbahn eröffnet wurde, steuerten nur noch zwei Stellwerke den Bahnhof Wannsee: Ws und Wot.[1]

 

Die betrieblichen Aufgaben des Stellwerk Wot

 

Stellwerksbezirk Wot im Jahre 1929. Archiv Berliner-Stellwerke.de

 

Der Wärter Wot führte im Auftrag des Fahrdienstleiter Ws alle Fahrten von und nach Grunewald sowie den Güterzugverkehr auf dem Gütergleis nach Schlachtensee (seit 01. Februar 1909) durch.[2] Außerdem wurde ab 1928 bei Bedarf das Unterwerk auf Gleis 34 bedient sowie die Ladestraße des Güterbahnhofs. Der Wärter Wot hatte 1929 26 Weichenhebel und 6 Hauptsignale unter seiner Kontrolle. Richtung Grunewald bestand Streckenblock für zweigleisigen Betrieb, nach Schlachtensee Streckenblock Bauform B für eingleisige Strecken. Von 1928 bis zum 16. April 1937 führte der Wärter Wot auch den S-Bahn-Betrieb durch. Die Wetzlarer Bahn war zwischen Grunewald und Wannsee bis 1937 zweigleisig. Erst nach dem o.a. Datum waren die Vorortgleise von den Ferngleisen getrennt.[3]

Bemerkenswert ist die Gleisverbindung von der Weiche 20 bis zur Weiche 23: Es ist normalerweise nicht üblich, Gefahrpunkte wie Weichen, vor Ausfahrsignalen anzuordnen. Genau diese sollen ja die dahinter liegenden Gefahrpunkte decken. Ich vermute, dass diese Weichenverbindung den Sinn hatte, Rangierfahrten zur Ladestraße direkt ins Geis 32-33 Richtung Gleisabschluß zu leiten, ohne die Zugfahrten auf dieser stark befahrenden Strecke zu behindern. Immerhin fuhr bis 1937 die S-Bahn im 10 Minutentakt auf der zweigleisigen Wetzlarer Bahn von und nach Grunewald.

Gleisplan Stellwerksbezirk Wot 1940. Archiv Berliner Stellwerke.de

Nach der Trennung der S-Bahn von der Fernbahn fielen drei Weichen und das Signal F weg, siehe die beiden Lagepläne. Der Wärter Wot hatte aber weiterhin indirekt mit der S-Bahn zu tun. Der Wärter Wsk (Seit dem 17. November 1936  wurde der Fahrdienstleiter Wsk durch einen Wärter ersetzt) benötigte vom Wärter Wot eine Zustimmung für die Ausfahrt aus Gleis 4 Richtung Grunewald. Die Weichen 8 und 9 für die Bedienung des Unterwerks Wannsee waren Flankenschutzweichen für diese Fahrt. Die Weichenbezeichnung 8 ist auf Plan von 1940 bei Signal 93 schwach zu erkennen.[4]

Wot von 1945 bis zur Außerbetriebnahme 1993

 

Das Stellwerk Wot im Frühjahr 1993 kurz vor der Außerbetriebnahme. Foto Markus Jurziczek1945 wurde von den Sowjets „nur" das Gleis Potsdam - Wannsee demontiert. Beim Wärter Wot änderte sich an der Betriebsführung nichts. Die Streckenblockform B nach Schlachtensee wurde  bis 1955 in die Bauform C umgebaut.[5]

1970 schloß die Deutsche Reichsbahn den Güterbahnhof Schlachtensee.[6] Durch die Schließung wurde der Streckenblock angepasst. Die nächste Betriebsstelle war nun der Fahrdienstleiter Zehlendorf Zfm. Dieser Zustand hielt bis zum 03. Dezember 1983 an. An diesem Tag wurde das Stellwerk Zfm geschlossen.[7] Die Blockanpassung zum Stellwerk Lwt des Bahnhof Lichterfelde West wurde nicht sofort vorgenommen. Einige Zeit musste auf dieser Strecke mit Rückmelden gefahren werden.

1982/83 wurden aus bisher nicht ermittelbaren Gründen die Weichen 46 bis 49 für die Fernbahnkehre Wsk an das Stellwerk Wot angeschlossen. Fortan bediente der Wärter Wot die Fernbahnkehre. Da zu diesem Zeitpunkt eine mögliche Übernahme der S-Bahn im Gespräch war, könnte das  der Hintergrund für diese Massnahme gewesen sein.

1993 wurden auf dem Bahnhof Wannsee zwei ESTW für die S- und Fernbahn in Betrieb genommen. Dadurch verlor das Stellwerk Wot seine Funktion und wurde außer Betrieb genommen. Das Stellwerk Wot war das einzige Stellwerk des Bahnhof Wannsee, das durch die Umbauten nicht durch einen Neubau ersetzt wurde.  Wenn man heute an dem Stellwerk vorbeifährt, ergibt sich ein trauriger Anblick. Die Fenster sind eingeworfen, die Fassade macht einen heruntergekommenen Eindruck.

Nachfolgend können Sie sich Innenaufnahmen des Stellwerk Wot von März 1982 und vom 29. Mai 1993 (also kurz vor Außerbetriebnahme) ansehen:

 

 

 

 

 

 Quellen und weitere Links

 

[1] Siemens und Halske: Ausgeführte Stellwerke bis 1914, Archiv DTM, III.2 090033. Dort steht für Wannsee das Auslieferungsjahr 1909
[2]Kuhlmann, Bernd: Bahnknoten Berlin. Die Entwicklung des Berliner Eisenbahnnetzes seit 1838, GVE 2006, Seite 272
[3] Kuhlmann, Bernd: Seite 275
[4] Bahnhofsdienstanweisung Wannsee vom 21. April 1940 LAB A Rep 080-01 Nr. 108
[5] In den Vorschriften für den Block- und Stellwerksdienst (DV 412 Bl u StV), gültig ab 01. März 1955, wird die Blockform B nicht mehr erwähnt.
[6] Bley, Peter: 150 Jahre Eisenbahn Berlin-Potsdam, Alba Verlag 1988, Seite 117
[7] Berliner Verkehrsblätter 03/1984, Kurzmeldungen Seite 70