extra_toc

 

 

Das Stellwerk Szf in Kürze

 

Die telegraphische Abkürzung Szf steht für Schulzendorf

  

Felderblock zweigleisige Strecke mit besonderen Vorrichtungen für die Eingrenzung von Blockstörungen. Ab ca 1947 Anpassung an eingleisige Strecke.

 

   

Das mechanische Stellwerk nahm am 3. Oktober 1925 den Betrieb auf. Die Außerbetriebnahme erfolgte ca 1962/1963

 

Das mechanische Stellwerk Szf hatten die Bauform Hein, Lehmann & Co.

  Der Bahnhof Schulzendorf und damit auch das Stellwerksgebäude wurde nach einem Entwurf des Architekten Rudolf Röttcher errichtet.

Der Blockwärter Szf arbeitete mit den Stellwerken Tu und Hls zusammen.

{autotoc enabled=yes}

 

 

 

Die Blockstelle für stark belastete Strecken - Szf

 

1921 beschloß das Reichsverkehrsministerium, die Kremmener Bahn auf der Strecke zwischen Tegel und Hennigsdorf zweigleisig auszubauen und hochzulegen. In mehreren Etappen wurde die Strecke hochgelegt und zweigleisig ausgebaut. Am 02. September 1924 wurde die zweigleisige Strecke bis zum südlichen Ende des alten Bahnhofs Schulzendorf in Betrieb genommen. In Höhe der Brücke über den heutigen Diakonieweg war die Rampe für den Übergang auf die alte Trasse angelegt.

Am 03. November 1925 ging der Abschnitt zwischen der ehemaligen Rampe in Höhe der Brücke über den Diakonieweg bis unmittelbar an die Havelbrücke zweigleisig und hochgelegt in Betrieb. Damit war der alte Bahnhof Schulzendorf überflüssig geworden (er diente als die Strecke noch eingleisig war als Kreuzungsbahnhof) und wurde durch den neuen Haltepunkt an der zweigleisigen Strecke ersetzt.

Der Haltepunkt Schulzendorf wurde wegen der hohen Zugdichte (Anfang 1925 bis zu acht Züge je Stunde) zu einer Blockstelle ausgebaut. Als ab März 1927 der elektrische Betrieb auf der Kremmener Bahn eingeführt wurde, fuhren zu Spitzenzeiten die S-Bahnzüge zwischen Tegel und Hennigsdorf in zehn Minuten Abstand. Hinzu kam ja immer noch der Fern- und Güterverkehr. Interessant ist die sicherungstechnische Gestaltung der Blockstelle. Sie hatte laut einem Lageplan von 1938 vier Blocksignale und ein Blockwerk mit 8 Blockfeldern. Warum das Ganze?

Bis in 1930er Jahre vertrat man bei der DR die Auffassung, dass bei Bks das Anfangs- und Endfeld zwangsweise gleichzeitig geblockt werden muss. Damit wollte man die Vergesslichkeit umgehen und Zuglaufstörungen durch vergessliche Wärter vermeiden. Diese Zwanghaftigkeit hatte aber einen gravierenden Nachteil: Bei einer Blockstörung z.B in Tegel pflanzte sich die Blockstörung bis zur nächsten Blockendstelle fort, in diesem Fall bis Heiligensee Stellwerk Hls. Auf der damals stark befahrenden Kremmener Bahn führte das unweigerlich zum Chaos. Weil die DR die Zwanghaftigkeit beim Blocken nicht aufheben wollte (die Bk Szf wurde 1925 in Betrieb genommen), wurde Szf als Blockstelle mit Blockstörungseingrenzung gebaut. Bei Blockstörungen konnte durch Hilfsbedienungen die Fortpflanzung der Blockstörung vermieden werden. Außerdem verfügte die Bk Szf über vier Signale. Der Bahnsteig war ein eigener Blockabschnitt. Somit konnten zwischen Tegel und Schulzendorf drei statt zwei Züge sich auf der Strecke befinden. Nach 1945 wurde die Blockstelle wegen der nun eingleisigen Betriebsführung auf eine gewöhnliche Blockstelle mit zwei Signalen zurückgebaut. Interessierte Leser können an den untenstehenden Dokumenten Näheres nachlesen:[1]

 


 

 

Die Bk Szf 1945. Das Streckengleis Heiligensee nach Tegel ist abgebaut. Slg Lars Molzberger 

Der Blockwärter Szf war gleichzeitig Aufsicht für die Abfertigung der S-Bahnzüge. Nachdem am 13.08.1961 die Kremmener Bahn wegen den Maßnahmen zur Abriegelung der DDR von Berlin-West in zwei Teilstrecken getrennt wurde und somit den durchgehenden Fern- und Güterverkehr verlor,  benötigte man die Blockstelle Szf nicht mehr. Wegen diesem technischen Zustand musste bei einer eventuellen Bedienung des Güterbahnhofs Heiligensee immer ein Umlauf der S-Bahn ausfallen. Bei den wenigen Fahrgästen, die nach dem Mauerbau noch mit der S-Bahn nach Schulzendorf und Heiligensee fuhren, war ein Ausfall leicht zu verkraften.

 

 

 

14 Jahre später: Der Dienstraum mit Graffiti übersäht. 23. Februar 1997. Foto Lars Molzberger  

 

 

Die Aufsicht, die bis zur Betriebseinstellung am 09. Januar 1984 in Schulzendorf noch Dienst tat, war in einem Anbau rechts neben dem Ausgang untergebracht.

Am 14. Oktober 1995 erkundete der Autor wieder einmal den Zustand der Strecke. Auf dem Bahnhof Schulzendorf standen die Fenster des ehemaligen Dienstraums, die vorher vermauert waren, auf einmal offen. Somit gelangen dem Autor die wohl letzten Aufnahmen des Block- und Hebelwerks der ehemaligen Blockstelle Szf. Die Fotos der Außenanlagen entstanden am 06. April 1990.

 

 

Bildergalerie Bk Szf

 

 

 Quellen und weitere Links

[1] Zeichnung und Text aus Schubert Roudolf: Die Sicherungswerke in Eisenbahnbetriebe, Band 1, 1921