Das Stellwerk Spf in Kürze

 

Die telegraphische Abkürzung Spf steht für Spindlersfeld und Swt bedeut Spindlersfeld Westturm.

  

Felderblock eingleisige Strecke nach und von Oberspree bzw Schöneweide. Nach der Außerbetriebnahme des elektrischen Stellwerks Spf Stichstreckenblock.

 

   

Die mechanischen Stellwerke Spf und Swt nahmen ca 1905 den Betrieb auf. Nach Umbau von  Swt zum Befehlsstellwerk Mitte der 1970er Jahre wurde es am 18. Dezember 1988 durch ein elektromechanisches Stellwerk der Bauform E 12/78 ersetzt, das bis zum 15. November 2010 in Betrieb blieb.

 

Die  mechanischen Stellwerke Spf und Swt hatten die Bauform Einheit. Das elektromechanische Stellwerk Spf war ein E 12/78 mit einer ergänzenden WSSB-Gleisbildtafel.

  Der Architekt der beiden Stellwerke Spf und Swt ist unbekannt. Die Hochbauten sind seit Ende der 1980er Jahre abgerissen.

Das benachbarte Stellwerk von Swt war Oberspree (Osp) bis 1976. Nach der Schließung von Osp übernahm das  Stellwerk Swo (nach ca 1983 Sw) die Nachbarschaft. Zwischen Swt und Spf sicherte der Bahnhofsblock die Zugfahren im Bahnhof.

Zum Titelbild: Das ehemalige Stellwerk Spf an der Ladestraße wurde nur noch bei Bedarf besetzt. Aufnahme Mitte der 1980er Jahre. Foto Sammlung Klaus Teuchert.

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1. Die mechanischen Stellwerke Spf und Swt

 

Wann die beiden Stellwerke ihren Betrieb aufnahmen, ließ sich bis jetzt nicht ermitteln. Um 1905 herum dürfte wahrscheinlich sein. Der Weichenwärter Swt regelte im Auftrag des  Fahrdienstleiters Spf die Ein- und Ausfahrten aus dem Bahnhof Spindlersfeld. Außerdem oblag ihm als Schrankenwärter die Sicherung des heutigen Bruno-Bürgel-Wegs. Von seinem Stellwerksbezirk aus bediente er den Anschluß der Wäschereibetriebe Spindler, zu DDR-Zeiten VEB Blütenweiß. Der Fahrdienstleiter Spf an der Ladestraße des Bahnhofs gelegen. regelte die Ein- und Ausfahrten aus dem Bahnsteig des Vorortsverkehrs (seit 1. Februar 1929 die heutige Berliner S-Bahn). Von seinem Stellwerksbezirk aus wurde der Anschluß der Berliner Müllabfuhr (in der DDR VEB Müllabfuhr) bedient.

Die beiden Stellwerke waren mechanisch unnbekannter Bauform. Vermutlich mit der Elektrifizierung der Strecke 1929 ersetzte man die alten (verschlissenen?) Hebelwerke durch neue der Bauform Einheit.

 

Innenaufnahme von Swt ohne Datum. Foto Slg Klaus TeuchertInnenaufnahme von Swt ohne Datum. Foto Slg Klaus Teuchert

 

Anfang der 1970er Jahre führte die Deutsche Reichsbahn auf dem Bahnhof Spindlersfeld Rationalisierungen durch. Für die Durchführung des S-Bahn Betriebs benötigte man keine zwei Stellwerke. Das Befehlsstellwerk Spf degradierte man zum Wärterstellwerk, das Wärterstellwerk Swt war nun das neue Befehlsstellwerk. Für die gelegentlichen Überführungsfahrten und die Anschlußbedienungen wurde das Stellwerk Swt mit Personal besetzt. Auf dem o.a. Foto des Hebelwerks Swt kann man sehr gut die beiden nachträglich eingebauten Jüdel-Doppelhebel für die Weichen 4 und 6 des ehemaligen Stellwerksbezirk Spf erkennen.

Das Arbeiten auf dem Stellwerk Swt hatte auch in den 1970er Jahren den Flair vergangener Zeiten. Keine eingebaute Toilette, dafür ein Plumpsklo. Ein Wasseranschluss fehlte ebenso. Das Wasser spendete eine Pumpe vor dem Stellwerk. Weitere Anekdoten zu Swt von Detlef Rudnick können Sie auf den Seiten der Stadtschnellbahn-Berlin nachlesen.

 

Das Stellwerk Swt in den 1980er Jahren. Die S-Bahn befährt den Bahnüberganng Bruno-Bürgel-Weg. Foto Slg GreifDas Stellwerk Swt in den 1980er Jahren. Die S-Bahn befährt den Bahnüberganng Bruno-Bürgel-Weg. Foto Slg Greif

 

 Gleisplan des Bahnhofs Spindlersfeld 1967. Slg Lars MolzbergerGleisplan des Bahnhofs Spindlersfeld 1967. Slg Lars Molzberger

 

2. Das elektromechanische Stellwerk Spf

 

Am 18. Dezember 1988 wurde dieses Stellwerk der Bauart E 12/78 mit WSSB-Gleisbildaufsatz in Betrieb genommen.[1] Der Fahrdienstleiter war seitdem Zentralfahrdienstleiter auf dem Bahnhof Spindlersfeld.

Die beiden Weichen 1 und 2 wurden über das elektromechanische Hebelwerk gestellt. Der Bahnübergang am Bruno-Bürgel-Weg wird signalabhängig angesteuert.

Im WSSB-Gleisbildaufsatz war der Relaisblock für eingleisige Strecken von und nach Schöneweide Sw, die Signalhalt- und die Ersatzsignaltasten sowie die Hilfsbedienung bei gestörten Bahnübergang untergebracht.

Der Fahrdienstleiter Spf war gleichzeitig Fahrkartenverkäufer und Aufsicht in Personalunion. Aufgrund von Rationalisierungsmassnahmen wurde auf Antrag der S-Bahn Berlin GmbH der Bahnhof Spindlersfeld in ein Haltepunkt umgebaut. Die Anschlüsse wurden eh seit 1996 nicht mehr bedient. Kreuzungen mit Zügen gab es auch keine mehr. Der Fahrdienstleiter Sw bedient die Strecke Schöneweide Spindlersfeld mittels Stichstreckenblock. Es darf sich immer nur ein Zug in diesem Abschnitt befinden. Die Zugkreuzungen finden sowieso in Schöneweide statt.

Nachfolgend die wohl letzten Fotos des Stellwerks vor der Schließung. Alle Aufnahmen  vom 22. Oktober 2010

 

 Das kleine elektromechanische Hebelwerk mit dem Gleisbildaufsatz. 22. Oktober 2010 Foto Lars MolzbergerDas kleine elektromechanische Hebelwerk mit dem Gleisbildaufsatz. 22. Oktober 2010 Foto Lars MolzbergerDer WSSB-Gleisbildaufsatz. 22. Oktober 2010 Foto Lars MolzbergerDer WSSB-Gleisbildaufsatz. 22. Oktober 2010 Foto Lars MolzbergerDas Hebelwerk der Bauform E 12/78. 22. Oktober 2010 Foto Lars MolzbergerDas Hebelwerk der Bauform E 12/78. 22. Oktober 2010 Foto Lars Molzberger


 

3.  Quellen und weitere Links

 
[1] Verkehrsgeschichtliche Blätter 01/89, Kurzinformationen Seite 21
 
Informationen zum Bahnhof: Jürgen Meyer-Kronthaler/Wolfgang Kramer: Berlins S-Bahnhöfe - Ein dreiviertel Jahrhundert, be.bra Verlag Berlin 1998